6. August 2009
Dienstag 04.08.09
Nachdem ich Morgens eine Runde schwimmen im wunderschönen Pewa See gewesen bin, habe ich mich aufgemacht um einer Familie aus Phils Gemeinde zu helfen. Sie haben einen “Copyshop”. Man kann dort einfach Kopien erstellen lassen oder aber auch handgeschriebene Dokumente abgeben, die dann jemand in den Computer tippt um sie auszudrucken.
Leider hat von den Computern da keiner eine Ahnung und selbst ohne Internet haben sie es geschafft sich eine Menge Viren einzufangen, so dass vieles nicht mehr richtig funktionierte. Irgendwie hat Phil mitbekommen, dass ich mich wohl etwas auskenne mit diesen Maschinchen und ist jetzt nicht nur selbst froh, dass ich ihm weiterhelfen kann, sondern hat mich natürlich auch gleich weiterempfohlen. So saß ich einige Stunden vor diesen Rechnern und habe über eine Modemverbindung mit einem Handy einen Virenscanner heruntergeladen und es in einem typisch nepalesischem Software-Chaos so einigermaßen geschafft die Rechner von Viren zu befreien und den Mitarbeitern zu erklären was sie machen müssen um ihren Virenscanner up to date zu halten (hoffe ich zumindest).
Busfahrt zur Leprakolonie von Tantchen Jutta
Direkt darauf machte ich mich auf den Weg nach Kairene um ein paar Tage bei Tantchen Jutta zu verbringen. Nachdem ich jetzt ja schon so viele Erfahrungen mit dem Busfahren in diesem Teil der Welt gemacht habe, war ich mir sicher, dass das es eine meiner leichtesten Übungen sein sollte dorthin zu kommen wohin ich wollte. Es sind ja schließlich nur ca. 40km.
Kaum fuhren wir los und schon steckten wir in einem kleinen Stau. Man erklärte mir, dass irgendjemand mal wieder streikt und es sich ein wenig verzögern könnte. Am Telefon sagte mir Jutta, ich solle vielleicht lieber noch eine Nacht zuhause bleiben, da es ja schon ziemlich weit sei und es ja schließlich schon 17h sei. Ich war mir aber sicher, das sei alles kein Problem und wollte trotzdem weiterfahren. Kurz nachdem wir losgefahren sind, fing es dann an zu regnen und mein Platz am Fenster wurde etwas ungemütlich, da direkt neben mir immer mehr Wasser die Wand hinunterlief. Von vorne drückte der Sitz des Vordermanns hart gegen meine Knie und bei jedem Schlagloch (also ca. alle 3,7 Sek) stiess ich mir den Kopf an der Decke an. (Ich glaube Nepalis sind irgendwie kleiner als ich.) Rechts neben mir ein Kerl, der kaum Englisch spricht und daneben mein Rucksack, zwischen den Beinen der Stehenden. Da kann man nur beten, dass am Ende der Fahrt noch genau so viel drin ist wie vorher
Nach ca 30 Min. Fahrt stoppt der Bus und stellt sich neben ca 10 weitere Busse, die am Rand der Strasse gehalten haben -”Wegen der Streiks kann der Bus nicht weiterfahren.” Keiner weiss so recht was los ist und draussen im strömenden Regen bildet sich eine Traube aus den Reisenden, die heftig diskutieren. Wärend ich mich noch Frage seit wann bei Streiks Strassen für ausschlieslich Busse blockiert werden obwohl die Fahrer ja weiterfahren wollen, erklären mir ca 1o Leute gleichzeitig, dass ich mit einem anderen Bus wohl doch weiterkommen könnte.
Nach 10 Minuten Fahrt in dem neuen Bus halten wir wieder und man erklärt mir, dass wohl einer der Reifen ein Loch habe und es ca 1h dauern könnte bis man ihn ausgewechselt hat. Irgendwie scheint das für keinen eine besondere Sache zu sein. Die Frau neben mir stillt gemütlich weiter ihr Kind und jeder bleibt ruhig auf seinem Platz sitzen und wartet ab. Nachdem es inzwischen schon dunkel geworden ist und ich der Einzige mit einer Taschenlampe bin, stehe ich kurz darauf draussen im Regen und leuchte unter den Bus, wo der Assistent des Busfahrers under dem Bus liegt und versucht ihn aufzubocken. Als ich noch bete, dass der Bus ja nicht auf den armen Kerl kracht merke ich, wie ich trotz Regenjacke und Regenschirm (mal wieder) bis auf die Knochen nass werde. Ich wollte ja auch unbedingt im Monsun nach Nepal
Trotz allem bin ich noch angekommen und hatte so wahrscheinlich die spannendste 40km Fahrt meines Lebens.
Juttas Hof im Paradies
Jetzt wohne ich auf einem kleinen Bauernhof mitten im Nirgendwo. Um hier hin zu kommen geht man ca 20 Min vom Dorf aus durch Felder und in ein kleines Tal. Auf dem Hof wohnen von der Katze bis zum Büffel viele Tiere und eine kleine Gruppe von ehemaligen Leprakranken, die hier von der Landwirtschaft leben. Ganz unverkennbar ist der Einfluss von Tantchen Jutta, die vor ca 40 Jahren als eine der ersten Nepal-Missionarinnen aus Deutschland ausgewandert ist.
Olli (mein Reisepartner) ist schon einen Tag vor mir angekommen und so sind wir nun wieder vereint. Gleich am ersten Morgen waren wir in dem 100m entfernten Fluss baden und hatten dort zwischen den reisenden dreckbraunen Wassermassen viel Spass mit ein paar Kindern, die uns ihr kleines Paradies hier gezeigt haben. (Bilder folgen hoffentlich bald)
Ich bin total froh das alles erleben zu können und genieße die Zeit hier sehr. Ich bin aber leider körperlich immernoch ziemlich platt und hab das Erste mal ein kleines Gefühl von Heimweh nach unseren schönen westlichen Annehmlichkeiten und einem Essen, bei dem ich mir keine Sorgen machen muss, ob es mein Körper diesmal behält
Trotzdem kann ich Gott und allen die mir das hier ermöglichen nur Danke sagen für diese geniale Zeit und für dieses wunderschöne vielfältige Land!